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Bremsanlage - Interview mit Jean Pierre Kraemer

Interview-bremsanlage-jean-pierre-kraemer.jpg Die Bremsanalge führt in Sachen Tuning oft ein Schattendasein, dabei ist die Wahl der richtigen Bremse äußerst wichtig, und zwar nicht allein aus optischen Gründen. Denn die Bremsanlage kann im Notfall eine Lebensversicherung sein – oder zur Todesfalle mutieren.
 

Premio Tuning:
Wann ist eine Modifikation der Bremsanlage sinnvoll?

Jean Pierre:
Modifikationen an der Bremsanlage sind vor allem dann sinnvoll, wenn ich mein Auto leistungsmäßig aufpumpe. Dann reicht die Serienbremse oft nicht mehr aus, um die Karre zuverlässig einzufangen. Natürlich spielt auch die Optik eine Rolle. Wenn hinter den 19-Zoll-Schmiederädern mickrige Bremsscheiben durchblinzeln, sieht das ziemlich lächerlich aus. Das gilt übrigens auch umgekehrt. Ich brauch‘ keine 380 mm- Scheiben, wenn unter der Haube nur 70 PS schlummern. Aber die Ästhetik ist sekundär. Wirklich wichtig ist, die Bremsanlage auf die Performance des Fahrzeugs abzustimmen. Viel Leistung braucht viel Bremse. Alles andere ist fahrlässig.

 
Premio Tuning:
Wie funktioniert die Bremse am Auto überhaupt?

Jean Pierre:
Physikalisch gesehen wandelt sie Bewegungsenergie in Wärmeenergie um. Dabei spielt die Reibung eine entscheidende Rolle. Die Bremse in heutigen Pkw arbeitet hydraulisch. Das bedeutet, dass die Kraftübertragung mittels einer Hydraulikflüssigkeit, genauer mit Hilfe der Bremsflüssigkeit erfolgt. Beim Bremsen entstehen allerdings sehr hohe Temperaturen. Deswegen ist es wichtig, dass die Bremsflüssigkeit in Viskosität und Siedepunkt ihrem Einsatzzweck auch gerecht wird. Sonst geht’s schief.

 
Premio Tuning:
Welche Teile gehören zu einer Bremsanlage?

Jean Pierre:
Zum Bremssystem gehören das Brems- pedal, die Bremsleitungen und ein Bremskraftverstärker, außerdem die Brems- scheibe, die Beläge und der Bremssattel. Letztere drei sind auch die Bereiche, die mit vergleichsweise wenig Aufwand getauscht werden können. Natürlich sollte ich mir im Vorfeld trotzdem genaue Gedanken machen, welche Ansprüche ich an meine Bremsanlage habe.

 
Premio Tuning:
Was bedeutet das konkret?

Jean Pierre:
Es gibt zum Beispiel bei Bremsscheiben und bei den Belägen krasse Unterschiede. Eine Rennsportbremse etwa ist rein für maximale Performance auf der Rennstrecke ausgelegt. Da spielen Komfort und Geräuschentwicklung keine Rolle, oberstes Gebot ist das Bremsen. Das beherrscht eine Rennsportbremse natürlich perfekt. Allerdings ist sie für extreme Temperaturen ausgelegt. Deswegen auch die überdimensionierte Scheibengröße. Dieser Umstand kann für den Straßenverkehr problematisch sein. Ist die Bremse kalt, muss man reintreten wie blöd. Heizt man sie auf Betriebstemperatur, haut sie Dir beim Bremsen dermaßen in die Fresse, dass Dir Hören und Sehen vergeht. Man sollte sich also genau überlegen, was man bremsentechnisch wirklich will und auf was man lieber verzichtet.

 
Premio Tuning:
Ein anderes Thema: gelocht, geschlitzt, innenbelüftet – was hat es damit auf sich?

Jean Pierre:
Löcher und Schlitze in der Bremsscheibe dienen dazu, die Wärmeabfuhr zu beschleuni- gen. Die Innenbelüftung hat den gleichen Zweck. Auch diese Technologie kommt aus dem Rennsport. Nur wenn die Bremsanlage optimal temperiert ist, arbeitet sie auch im oberen Bereich ihrer Leistungsfähigkeit.

 
Premio Tuning:
Wenn ich meine Bremse leistungstechnisch optimieren möchte, dabei aber einen Ausbau der Serienteile möglichst vermei- den will, was bleiben mir dann für Möglichkeiten?

Jean Pierre:
Dann bleibt die Option, mit einer anderen Kombination von Bremsscheibe und Belag zu arbeiten. Die optimale Abstimmung zwischen diesen zwei Komponenten kann kleine Wunder bewirken. Zumindest, was das subjektive Bremsgefühl angeht. Da lässt sich also mit relativ wenig Geld und Arbeitsaufwand schon ordentlich was rausholen.